Rudolf Müller

Konjunktur: Überauslastung und Fachkräftemangel

Konjunktur: Überauslastung und Fachkräftemangel

Besonders hoch scheint die Arbeitskräfteüberauslastung laut Jahresgutachten zurzeit im Baugewerbe zu sein. Daraus ergeben sich weitere Folgen: Einerseits führt die hohe Auslastung bei gleichzeitig positiver Auftragslage dazu, dass kapazitätserweiternde Investitionen zunehmen und der Aufschwung anhält. Andererseits sorgen die bestehenden Kapazitätsgrenzen und der einsetzende Arbeitskräftemangel für eine Verlangsamung des Wachstumstempos, da weniger freie Ressourcen zur Verfügung stehen, die schnell aktiviert werden können.

Laut Jahresgutachten zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Sachverständigenrats von Anfang November 2017 befindet sich die deutsche Wirtschaft in einem langanhaltenden und kräftigen Aufschwung. Der Sachverständigenrat rechnet mit Zuwachsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,0 Prozent im Jahr 2017 und 2,2 Prozent im Jahr 2018. Dieser sehr erfreuliche Aufschwung wird bereits seit Längerem durch privaten Konsum, Staatsausgaben und Bauinvestitionen getragen. Zusätzlich investieren Unternehmen stärker in Ausrüstungen sowie in Forschung und Entwicklung. Darin spiegeln sich die immer knapper werdenden Produktionskapazitäten sowie die optimistischeren Zukunftserwartungen wider.

Mit der Zuwachsrate von 2,0 Prozent BIP befindet sich die deutsche Wirtschaft  in einer Überauslastung, das bedeutet, dass das tatsächliche BIP größer ist als das potenzielle BIP (derzeit 1,4 Prozent). Überauslastung bedeutet, dass die Produktionsfaktoren über ihre Möglichkeiten hinaus ausgelastet sind. Die entstehenden Anspannungen äußern sich beispielsweise darin, dass es für Unternehmen schwieriger wird, offene Stellen zu besetzen.

Baugewerbe besonders betroffen

Besonders hoch scheint die Arbeitskräfteüberauslastung laut Jahresgutachten zurzeit im Baugewerbe zu sein. Daraus ergeben sich weitere Folgen: Einerseits führt die hohe Auslastung bei gleichzeitig positiver Auftragslage dazu, dass kapazitätserweiternde Investitionen zunehmen und der Aufschwung anhält. Andererseits sorgen die bestehenden Kapazitätsgrenzen und der einsetzende Arbeitskräftemangel für eine Verlangsamung des Wachstumstempos, da weniger freie Ressourcen zur Verfügung stehen, die schnell aktiviert werden können. Die daraus entstehende Knappheit lässt anschließend das Preisniveau stärker steigen als in den vergangenen Jahren. Zurzeit scheinen Inflations- und Lohnentwicklung moderat. Preise und Löhne werden in den nächsten Monaten aber aufgrund der stärker werdenden Arbeitskräfteknappheit moderat ansteigen.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie wichtiger denn je

Die steigende Zahl an offenen Stellen spricht dafür, dass es Unternehmen zunehmend schwerfällt, geeignete Arbeitskräfte zu finden. Im zweiten Quartal 2017 gab es insgesamt 1,1 Millionen offene Stellen. Dies entspricht einem Anstieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um zwölf Prozent. Der Sachverständigenrat empfiehlt insbesondere das vorhandene Arbeitskräftepotenzial auszuschöpfen, Langzeitarbeitslose sowie anerkannte Asylbewerber dauerhaft in den Arbeitsmarkt zu integrieren und die gesteuerte Zuwanderung auf qualifizierte Fachkräfte ohne akademischen Abschluss aus Nicht-EU-Staaten auszuweiten. Momentan wird der Arbeitskräftemangel durch Frauen und ältere Personen sowie anerkannte Asylbewerber kompensiert. Dieses Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft. Um dieses Potenzial zu erhöhen, müssen die Rahmenbedingungen verbessert zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vereinfacht werden. Darunter fället der Ausbau von Ganztagsbetreuung für Kinder oder die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und Arbeitsort.❙

Frauenzimmer

Das FrauenZimmer findet vom 9. bis 11. Mai 2019 in Berlin statt.

Bei uns stehen Dachfrauen im Mittelpunkt. Der Kongress FrauenZimmer widmet sich der weiblichen Seite der Dachhandwerker- und Zimmererbranche. Ziele sind der aktive Austausch und nachhaltiges Networking unter Frauen.

Redakteure

Laura Westerhoff & Heide Merkel

Laura Westerhoff und Heide Merkel haben sich beim Kongress FrauenZimmer 2017 in Berlin kennengelernt. Sie haben den FrauenZimmer-Blog initiiert.

Die diplomierte Volkswirtin Laura Westerhoff ist Redakteurin beim Bruderverlag für die Zeitschrift BAUEN MIT HOLZ und leitet die Online-Redaktion www.bauenmitholz.de. Sie ist in der Baubranche seit 1994. Laura Westerhoff ist auch auf LinkedIn und Xing zu finden.

Heide Merkel, ausgebildete Journalistin, arbeitet in der Unternehmenskommunikation (Steuerung Presse und Digitale Medien) bei MOLL bauökologische Produkte GmbH – pro clima. Sie hat Japanologie und Politikwissenschaft studiert. Im Beruf und in der Freizeit kümmert sie sich um verschiedene Blogs, z.B.:

heidi-hakt-nach.de
https://blog.proclima.com/de/
http://airtight-junkies.de/

Heide Merkel gibt ihr Wissen auch in Seminaren und Vorträgen weiter.