Rudolf Müller

Rückblick

Netzwerken für den Notfall

Nach zwei erfolgreichen Kongressen fanden erstmalig unsere regionalen FrauenZimmer-Netzwerktreffen in Stuttgart, Köln und Münster statt.  Die Teilnehmerinnen erfuhren, wie sie bei einem Notfall durch gezielte Vorsorge die Existenz ihres Betriebs sichern und profitierten auch von den persönlichen Erfahrungen der Referentinnen. Abgerundet wurden die Vorträge mit einem Abstecher durch den Rechts- und Versicherungsdschungel aus juristischer Sicht.

Barbara Küpper (Zweite von rechts), Geschäftsführerin Dach Werkstatt Küpper, erzählte im Interview mit Christina Diehl (links) von ihrem Schicksal und wie sie ihr Leben seitdem gemeistert hat.

Man konnte fast die sprichwörtliche Nadel fallen hören, als Barbara Küpper von dem schicksalhaften Tag im Sommer 2015 berichtete, an dem ihr Mann verstarb. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits seit 25 Jahren im gemeinsamen Familienunternehmen Dach Werkstatt Küpper tätig. Wie das Leben nach diesem Schicksalsschlag weiterging und wie es vor allem um den Familienbetrieb stand, davon berichtete Barbara Küpper im Interview mit Christina Diehl (Mediengruppe Rudolf Müller), das den offiziellen Teil der drei FrauenZimmer-Netzwerktreffen in Stuttgart, Köln und Münster eröffnete.

Die richtige Vorsorgemaßnahme als Retter in der Not

Ohne die richtige Vorsorge in Form einer Generalvollmacht, so berichtete Barbara Küpper eindringlich, wäre es ihr nicht möglich gewesen, die Geschäftsführung des Unternehmens zu übernehmen, sodass der Betrieb weiterlaufen konnte und sie nun alleinverantwortlich für 33 Mitarbeiter ist.

Einen schicksalhaften Tag erlebte auch Dachdeckermeisterin Brigitte Latsch im Sommer 2009, als sie vom Dach fiel und sich ein Bein brach. Die daraus resultierende Berufsunfähigkeit mündete schließlich darin, dass die Handwerkerin mit über vierzig noch einmal komplett umsattelte. Im Gespräch mit Christina Diehl berichtete sie, dass ihr größter Fehler zwar darin bestand, nicht Mitglied in der Berufsgenossenschaft gewesen zu sein, sich der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung kurz vor ihrem Unfall jedoch als großes Glück im Unglück herausstellte.

Gewünscht hätten sich beide Frauen mehr Unterstützung aus verschiedenen Richtungen: Beispielsweise einen Notfallmanager, der von der Innung angefordert werden kann. Vielen ist auch nicht bekannt,  dass die Handwerkskammern in derartigen Fällen Unterstützung bietet. Auch mehr Einfühlungsvermögen seitens der Mitarbeiter wäre wünschenswert bei einer betrieblichen und daraus meist auch resultierenden persönlichen Krise.

Last, bot not least: Man muss auch an sich denken.

In der Hafenkäserei in Münster stellte sich das Team mit den Referentinnen zum Gruppenbild mit Kuh.

Notfallplan ist essenziell

Ganz besonders wichtig war den Referentinnen, ihr Wissen an die Teilnehmerinnen weiterzugeben und die eindringliche Botschaft zu vermitteln, wie wichtig Vorsorge und ein guter Notfallplan sind. Dafür standen sie nach den beiden Interviews für Fragen zur Verfügung, gaben Tipps und Hinweise und verrieten auch, was sie versäumt hatten. Sie legten den Teilnehmerinnen zudem den Ordner „Notfallmanagement im Dachdeckerbetrieb“ ans Herz, der Informationen und Arbeitshilfen enthält, um einen Fahrplan für den Notfall zu erstellen und alle wichtigen Dokumente zu sammeln.

Reges Interesse herrschte auch bei dem Kurzvortrag von Juristin Meral Bilge von der Mediengruppe Rudolf Müller, die in einem kleiner Reiseführer durch den Rechts- und Versicherungs-Dschungel die wichtigsten Impulse aus juristischer Sicht zusammenfasste. So nannte sie die häufigsten Irrtümer zum Thema Vorsorge, lieferte Informationen zu Vollmachten und Versicherungen und gab den Teilnehmerinnen eine Checkliste zur Vorsorge an die Hand.

Trotz des ernsten Themas kamen der Austausch unter den Teilnehmerinnen, das Netzwerken und das gemütliche Beisammensein nicht zu kurz. Bei Spezialitäten aus der jeweiligen Region der verschiedenen Veranstaltungsorte und guten Gesprächen klang der Abend aus.

Ausgleich zum ernsten Thema: Die Dachfrauen hatten Spaß bei der Herstellung schwäbischer Maultaschen.